Sie fühlen sich vom täglichen Leben überfordert? Es geht Ihnen alles zu schnell? Schauen Sie beim Dull Men’s Club vorbei. Dieser Club der langweiligen Männer ist eine Oase des Friedens. Hier lassen sich alle sehr viel Zeit. 

 

Einzige Bedingung, um Mitglied zu werden: Sie müssen sich ein Hobby zulegen. Die meisten langweiligen Männer sind Sammler. Auf ihrer Suche nach Briefkästen, Kreisverkehren, Zahnstochern, Milchflaschen oder Backsteinen entdecken sie neue Orte.

 

Schalten Sie ihr Handy aus und begleiten Sie die langweiligen Männer auf ihrer Reise. Sie werden die Welt mit anderen Augen sehen!

  • Regie: Andy Oxley
  • Kameraführung: Joshua Gaunt
  • Produktion: Grover Click, Fiona Flicker
  • Schnitt: Andy Oxley, Joshua Gaunt
  • Ton: Andrex Clanfield
  • Musik: Chris Reed
  • Übersetzung: Escarlata Sánchez, Lena Roche, Diego Giuliani, Nuno Prudêncio, Jérôme Plan

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Interview

Andy Oxley | 99.media

Andy Oxley
Regisseur

„Ich wollte,
dass alles nach einem idyllischen,
postkartenartigen England aussieht”
  • Wie hat alles begonnen?

 

Ich habe schon länger darüber nachgedacht, einen Film über die Hobbys von Männern zu drehen und habe ganz beiläufig recherchiert. In einem online Artikel bin ich auf den Dull Men’s Club gestoßen und habe Leland Carlson (dem Assistenten des Vizepräsidenten) eine E-mail geschickt. Fünf Minuten später hat er mich aus Amerika angerufen und wir haben circa eine halbe Stunde telefoniert. Wie alle langweiligen Männer, redet auch er sehr gerne. Ich dachte schon, das Telefonat würde nie enden.

 

  • Wie verliefen die Dreharbeiten?

 

Die größte Herausforderung bestand darin, alles zu drehen, während die Sonne schien – was ziemlich ambitiös war, denn schließlich handelt es sich um einen britischen Film. Obwohl wir nur ein kleines Team waren (der Kameramann, ich und manchmal der Reflektorhalter, meine Frau), war die Organisation doch stressig und wir mussten einige Drehtage im letzten Moment verschieben, wenn die Wettervorhersage schlecht war. Außerdem mussten wir die Interviews oft unterbrechen, wenn die Sonne sich hinter den Wolken versteckt hat.

 

Ich wollte, dass alles nach einem idyllischen, postkartenartigen England im Martin Parr-Stil aussieht. Im Großen und Ganzen hatten wir Glück, allerdings haben wir mit dem letzten Interview – mit dem Backstein-Sammler – bis September gewartet. Es blieb uns also keine andere Wahl als einfach weiterzumachen, obwohl es regnerisch war und alles trist aussah. Das war allerdings auch im Norden – da kann kann man keine Wunder erwarten.

Born to be Mild | 99.media
  • Dein Film spielt mit stereotypischen Versionen Englands.
    Wie würdest du deinen Stil beschreiben: sowohl narrativ als auch visuell?

 

In fast allen meinen Filmen neige ich dazu, ein andersartiges England, fast schon eine Fantasieversion Englands, kreieren zu wollen. Ich weiß nicht warum. Vielleicht, um herauszufinden, ob die Menschen glauben, dass es real ist.

 

Ich mag auch die Talking Heads gerne. Zur Zeit sind sie glaube ich wirklich nicht angesagt. Aber ich glaube auch, dass sie wirklich gut ankommen könnten, wenn alles in einem interessanten Setting gemacht wird, das zum Charakter und zur Atmosphäre des Films beiträgt. Diese Männer saßen einfach an einem seltsamen Ort – wie am Straßenrand neben einem Briefkasten oder mitten auf einem Kreisverkehr – und bieten uns Einblicke in ihre Welt, das ist interessant genug für mich. Ich mag diese Einfachheit und deshalb habe ich entschieden, den Film so aufzubauen.

 

Josh Graunt, der den Film gedreht hat, hat mir sehr mit dem Look geholfen und hat beschlossen, dass er alles mit nur zwei Hauptobjektiven drehen wird – mit einem Weitwinkelobjektiv und einer 45 mm Micro Four Thirds Kamera – und ich denke, dass diese Beständigkeit gut zum Charakter des Films passt.

„Es ist beinahe eine winzige Subkultur,
die in den Gartenhäusern Großbritanniens versteckt ist.”
  • Welche Botschaft wolltest du mit dieser Story vermitteln?

 

Ich wollte die “Gewöhnlichkeit” ehren. Diese Männer machen einfach ihr Ding, ohne sich zu schämen, und sie bringen diesen schrägen Humor mit, der mir am besten gefällt. Sie denken komplett frei und ihnen ist ganz egal was andere denken. Das bewundere ich und mit diesem Film will ich sie wertschätzen und sagen: “Ich bin froh, dass es euch gibt.”

 

Ganz allgemein habe ich auch beobachten können, dass Männer sich stärker in Sachen reinhängen als Frauen; sie werden zu Nerds und es ist wahrscheinlicher, dass sie von einem bestimmten Thema komplett besessen werden. Ich will nicht behaupten, dass es keine Frauen gibt, die langweilige Hobbys haben, aber es ist ohne Zweifel eher ein Charakterzug von Männern als von Frauen. Es ist beinahe eine winzige Subkultur, die in den Gartenhäusern Großbritanniens versteckt ist. Ich wollte einen Film machen, der das gut darstellt.

 

  • Hast du noch Kontakt zu diesen Männern?

 

Manchmal schicke ich Kevin Fotos von Kreisverkehren, wenn ich an einem schönen vorbeikomme, den er vielleicht noch nicht entdeckt hat. Ich spreche auch immer noch regelmäßig mit Leland und wir treffen uns, wenn wir es schaffen. Er hat inzwischen ein Buch veröffentlicht und nach dem Film haben wir gemeinsam an einem Dull Men’s Club Kalender gearbeitet. Leland schüttelt sich immer ein neues Projekt aus dem Ärmel. Er ist außerdem ein profilierter E-mail-Schreiber – manchmal bekomme ich ein Wirrwarr aus 5 oder 6 E-mails gleichzeitig. Durch E-mails denkt er laut. Gerade sind wir auf der Suche nach einer Förderung für einen Langfilm, sodass wir hoffentlich bald einen Publikumsfilm herausbringen können.

 

  • An was arbeitest du zur Zeit?

 

Josh und ich haben einen Kurzfilm über einen anderen langweiligen Mann gedreht, auf den wir gestoßen sind, als wir die Fotos für den Kalender geschossen haben – einen Kanal-Spotter aus Cumbria. Seine Arbeit ist es, Kanaldeckel zu säubern und Straßenränder freizuhalten. Allerdings ist das seit etwa 4 Jahren im Gange, was wirklich peinlich ist – Ich hatte einfach keine Zeit den Film zu Ende zu bringen, weil ich ihn, genau wie Ich bin langweilig – und das ist auch gut so!, ohne Förderung und zwischen meiner Freelance Arbeit, die die Rechnungen bezahlt, drehe.

 

Es gibt noch einen anderen Film, den wir gerade zu Ende gedreht haben. Er handelt von einem Amateur-Archivisten, der eine Sammlung von 2500 DVDs hat und noch nie von YouTube oder Netflix gehört hat. Aber auch dieser Film ist wegen der fehlenden Förderung erst einmal auf Eis gelegt. Falls es also irgendwo potentielle Geldgeber gibt, bitte helfen Sie! (Ich entschuldige mich für das Ausrufezeichen – langweilige Männer mögen Ausrufezeichen nicht, weil sie zu aufregend sind.)

 

  • Ein Wort zu 99.media und der mehrsprachigen Untertitelung deines Films?

 

Es war super 99.media auf unserer Seite zu haben. Der Film wurde in 5 verschiedene Sprachen übersetzt, was wirklich eine große Hilfe war, und dann ist 99.media als Verbreiter tätig geworden, indem sie Vereinbarungen mit Leuten beaufsichtigt haben, die Ausschnitte aus dem Film lizenzieren wollten. Ich bin wirklich dankbar für die zusätzliche Publicity, die 99.media uns gebracht hat. Vor kurzem wurde der Film zur Dokumentation der Woche in einer französischen Fernsehsendung gewählt. Das wäre ohne 99.media und die Untertitelung niemals möglich gewesen.

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